Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen bilden einen wesentlichen Baustein vieler Versicherten zur Altersvorsorge oder zur Kapitalanlage.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Die fondsgebundenen Lebensversicherung ist eine Kombination aus einer Lebensversicherung und einer Kapitalanlage. Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung ist die Versicherungsleistung (zumindest die Erlebensfallleistung) an die Wertentwicklung der Anteile eines besonderen Anlagestocks (Sondervermögen,  meistens Fonds) gebunden. Üblicherweise erhält der Versicherungsnehmer bei Vertragsende den Wert des Anlagevermögens aus der Versicherung.

Fondsgebundene Rentenversicherung

Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung handelt es sich dem Grunde nach um eine Kapitalanlage im Mantel einer Rentenversicherung. Denn anders als bei der fondsgebundenen Lebensversicherung, die auch als Todesfallabsicherung abgeschlossen werden kann, geht es bei der fondsgebundenen Rentenversicherung um das Ansparen von Geld. Bei Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit erhält der Versicherungsnehmer je nach Vertragsinhalt entweder eine monatliche Rente oder eine Einmalzahlung (Kapitalwahlrecht).

Fondsgebundene Versicherungen können zwar steuerlich interessant sein und bieten die Chance einer höheren Rendite, jedoch stellen sie deswegen auch eine riskante, wenig flexible und undurchsichtige Form der Altersvorsorge und Kapitalanlage dar, die zudem mit erheblichen Abschluss- und Verwaltungskosten verbunden ist.

Nach Angaben der deutschen Verbraucherzentralen werden bis zu 80 % der Lebensversicherungsverträge vor Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit gekündigt. Die Kündigung eines Versicherungsvertrags führt jedoch im Regelfall zu erheblichen Verlusten, die in den Fällen vermieden werden können, in denen statt der Kündigung ein Widerruf bzw. Widerspruch des Vertrags erfolgt.

Widerspruch/Widerruf – fehlerhafte Belehrung

Sofern ein Versicherungsnehmer bei Abschluss einer Lebens/Rentenversicherung nicht ordnungsgemäß über sein Widerspruchs-/Widerrufsrecht informiert wurde, wurde die Frist für den Widerspruch nie wirksam in Gang gesetzt und dem Vertrag kann auch heute noch (!) widersprochen werden. Nach Ausübung des Widerspruchs kann der Versicherungsnehmer die Rückzahlung der eingezahlten Versicherungsprämien plus Zinsen für die gesamte Vertragslaufzeit fordern.

Das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom November 2014 hat den Versicherungsnehmern hier den Weg frei gemacht auch alte Verträge in der Zeit von 1994 bis 2007 zu widerrufen. Es ist daher sinnvoll vor Ausspruch einer vorzeitigen Kündigung des Versicherungsvertrags zu überprüfen, ob nicht ein Widerrufsrecht wegen fehlerhafter Belehrung in Betracht kommt. Denn es besteht ein erheblicher Unterschied:

Eine Kündigung beendet einen laufenden Vertrag. Ein Widerruf oder Widerspruch wendet sich gegen den ursprünglichen Vertragsabschluss. Wird ein Lebens/Rentenversicherungsvertrag wirksam widerrufen, dann wird der Vertrag so behandelt, als wäre er niemals abgeschlossen worden. Besonders interessant für Versicherte ist, dass ein Widerruf auch die Grundlage für den Rückkaufswert entfallen lassen kann, denn der Rückkaufswert führt oftmals gerade bei Lebensversicherungen, die wenige Jahre nach dem Vertragsabschluss gekündigt wurden, zu deutlich höheren Abzügen als dem Wert des Versicherungsschutzes. Ein wirksamer Widerspruch/Widerruf ist eine Möglichkeit, sich günstig von einem Lebens/Rentenversicherungsvertrag zu lösen. Oder die negativen Folgen einer Kündigung können mit einem wirksamen Widerspruch gemildert werden.

Vorzeitige Kündigung – Rückkaufswert

Bei einer vorzeitigen Kündigung eines Lebens- oder Rentenversicherungsvertrags erhält der Versicherungsnehmer den sogenannten Rückkaufswert. Der Rückkaufswert wird nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik berechnet (Zillmerung). In der Regel führt die vorzeitige Beendigung des Versicherungsvertrags durch Kündigung (anders als beim Widerruf/Widerspruch) zu finanziellen Verlusten, da der Versicherungsnehmer gerade nicht die Beträge von der Versicherungsgesellschaft zurück bezahlt bekommt, die er über die Jahre einbezahlt hat. Die Versicherungsgesellschaft darf nämlich in gewissem Umfang Kosten (Abschlusskosten, Verwaltungsgebühren, Maklerprovisionen)  in Abzug bringen.

Allerdings ist auch hier zu beachten, dass dem Versicherungsnehmer bei vorzeitiger Kündigung ein Mindestbetrag zusteht. Denn das Gesetz verpflichtet die Versicherer unter anderem, ihre Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre nach Vertragsbeginn zu verteilen und sie nicht komplett im ersten Jahr von der Sparsumme abzuziehen.

Schadensersatzansprüche

Wenn Sie im Rahmen des Abschlusses einer fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung nicht ordnungsgemäß von Ihrem Versicherungsvermittler/Versicherungsmakler über die bestehenden Risiken und Kosten der Ihnen empfohlenen Versicherung aufgeklärt wurden, besteht außerdem die Möglichkeit der Rückabwicklung des Vertrags oder der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen. Wenden Sie sich an einen spezialisierten Rechtsanwalt, um Ihre Rechte und Ansprüche umfassend prüfen zu lassen! Nur so können Sie Verluste bei der Vertragsbeendigung vermeiden.